Charlotte Daudré-Vignier (Charlie) ist die Gründerin und Designerin des jungen Upcycling-Labels Carbone 14 (Kohlenstoff-14 ist in allen lebenden Organismen enthalten, auch in Leinen, Wolle oder Seide, und ermöglicht unter anderem die Altersbestimmung von Kleidung). Nach ihrem Abschluss am IFM vertritt die Designerin eine Vision von Mode, die untrennbar mit Nachhaltigkeit verbunden ist. Vintage-Stücke, die im Sinne des Upcyclings neu interpretiert werden (neue Kreationen aus alten Materialien), die Verwertung und Reparatur beschädigter Teile: Für Charlie muss und soll ein hochwertiges Kleidungsstück von Dauer sein.
In Zusammenarbeit mit Hast präsentiert uns Charlie in mehreren Video-Tutorials ihre Tipps für die optimale Pflege von Kleidungsstücken. Eine Kooperation, die unsere gemeinsamen Werte unterstreicht: die Modewelt in eine bessere Zukunft zu führen – mit mehr Respekt für unseren Planeten und die Menschen, die darauf arbeiten, aber auch mit dem Wunsch, traditionelle Handwerkskunst wiederzubeleben, die manchmal zu schnell in Vergessenheit gerät. Ein Gespräch.
Wann hast du angefangen, dich für Textilien zu interessieren?
Ich habe mich schon sehr früh für Textilien interessiert, weil meine Mutter viel genäht hat. Mit 6 Jahren habe ich mein erstes Stück entworfen: ein Puppenkleid. In diesem Moment begann eine große Liebesgeschichte zwischen dem Stoff und mir. Es war übrigens mehr der Stoff, der mich fasziniert hat, als das eigentliche Kleidungsstück.
Erzähl uns ein wenig von deinem Werdegang und warum die Zusammenarbeit mit Hast so gut zu deinem Verständnis von Mode passt.
Anfangs zögerte ich, in die Modebranche einzusteigen, da sie mir ein wenig Respekt einflößte. Daher begann ich zunächst in einem ganz anderen Bereich: der Cybersicherheit in Spanien, wo ich aufgewachsen bin. Dort habe ich alle meine Kollegen neu eingekleidet! Ich spürte, dass da etwas war, und wechselte bald an das Institut Français de la Mode. Dort habe ich mich dann intensiv mit den Themen Nachhaltigkeit und Ethik auseinandergesetzt. Ich hatte mich zwar schon vorher damit beschäftigt, aber das ganze Ausmaß der Probleme in der Mode – von Umweltverschmutzung bis hin zu sozialen Missständen – war mir bis dahin nicht bewusst.
Kurz darauf gründete ich mein erstes Label, das noch etwas unausgereift war. Durch viele Begegnungen und Erfahrungen nahm das Abenteuer mit Carbone 14 dann richtig Fahrt auf – ein Projekt, das in meinen Augen deutlich reifer war. Mir lag es am Herzen, Design und Nachhaltigkeit zu verbinden, mit dem Gedanken, zu traditionellen Werten zurückzukehren: Upcycling, Maßanfertigung, kleine Betriebe usw. Ich schätze Unikate und ausdrucksstarke Stücke aus feinen Stoffen.
Ein Projekt rund um die Reparatur von Kleidung schwebte mir schon länger vor. Als wir dann mit Hast ins Gespräch kamen, passte das einfach perfekt. Ich schätze die Marke sehr, weil sie schlichte, aber hochwertige Kleidung mit schönen Stoffen und perfektem Fall entwirft. Wir teilen dieselben Werte in Bezug auf Langlebigkeit und die Wertschätzung für gute Kleidung.

Wie blickst du auf die Modewelt und ihre aktuelle Entwicklung?
Abteilungen für Nachhaltigkeit sind in den Modehäusern oft nicht wirklich integriert. Das ist schade, denn den ergriffenen Maßnahmen fehlt es häufig an Konsequenz. Es ist leicht, darüber zu sprechen, aber die Produktion muss eben auch Schritt halten.
Wenn der echte Wille da ist, in die richtige Richtung zu gehen, ist das 2021 absolut machbar. Es ist natürlich teurer, aber es gibt wirklich Lösungen. Meiner Meinung nach ist es heute ein Zeichen von mangelndem Willen, wenn man nicht versucht, nachhaltig zu handeln. Ich bin eher optimistisch, weil die Themen, für die wir uns aktuell einsetzen, zusammenfinden: Feminismus, soziale Rechte, Nachhaltigkeit. Da ist eine echte Energie spürbar, eine positive Wut, die es ermöglicht, unsere gewohnten Denk- und Handlungsmuster zu hinterfragen.
Was meine allgemeine Sicht auf die Mode betrifft: Ich habe den Eindruck, dass man das Produkt heute wieder mehr für sich selbst sprechen lässt. Mir gefällt es, visuell zu arbeiten, ohne in übertriebenes Storytelling zu verfallen. Hinter jedem Kleidungsstück steckt eine Geschichte – beim Upcycling erst recht. Man verwandelt ein Stück, das bereits getragen wurde, und erzählt so die Geschichte des Textilhandwerkers, der es geschaffen hat, und der Person, die es besessen hat. Ich mag unverfälschte Bilder; Dinge nicht bis ins Detail zu erzählen, sondern sie eher anzudeuten.
Wie kamst du auf die Idee, über Textilpflege zu sprechen? Das unterscheidet sich doch deutlich von dem, was klassische Designer machen.
Das mache ich schon, seit ich klein bin. Meine Familie hat mich immer um Tipps zum Entfernen von Flecken gebeten, und ich habe alles in einem Notizbuch festgehalten. Als ich vor kurzem mit Leuten aus meinem Umfeld darüber sprach, wurde mir klar, dass hier ein echter Bedarf besteht.
Ehrlich gesagt habe ich lange gezögert. Warum? Weil es im Internet schon unzählige Seiten dazu gibt. Es wirkt oft etwas überholt, und meistens wird zwar erklärt, wie es geht, aber nicht gezeigt. Für jemanden mit wenig handwerklichem Geschick ist das nicht immer leicht nachzuvollziehen. Mit einem dreiminütigen "Tutorial"-Video lässt sich hingegen ganz einfach zeigen, wie man einen Fleck entfernt oder einen Knopf annäht. Das Reparieren wirkt dann viel zugänglicher, und man entscheidet sich eher dafür, als noch ein weiteres Kleidungsstück zu kaufen, das einem vielleicht weniger am Herzen liegt.
Kann man nachhaltig und rentabel zugleich sein?
Das ist eine interessante, aber auch tabuisierte Frage. Ich denke schon, doch es kommt darauf an, was man unter Rentabilität versteht. Wenn man eine Marge von 100 % anstrebt, ist man bei Carbone 14 falsch. Das erkläre ich auch meinen Kunden. Wenn ich einen Mantel aus reiner Schurwolle für 250 Euro verkaufe, steckt dahinter eine Menge Vorarbeit: die passende Wolle und den richtigen Lieferanten finden, reisen, die Stoffe prüfen, das Material begutachten, den Schnitt erstellen.
Ich übernehme auch die Fertigung, den Schnitt, die Anproben usw. – all das in Paris. Alles hat eben seinen Maßstab. Wenn ein Kleid einer Fast-Fashion-Marke in 10.000 Exemplaren produziert wird, fällt der Schnitt natürlich kaum ins Gewicht…
Meiner Meinung nach kann man rentabel sein, wenn man wie die früheren Modistinnen auf echte Qualität setzt – man muss sich nur im Klaren darüber sein, welche Art von Rentabilität man anstrebt. Die Qualität darf nicht vernachlässigt werden, sie muss wieder im Mittelpunkt des Designs stehen. Und wirklich gut wird es eben nur, wenn man sich Zeit nimmt!