Als echtes Kuriosum begleitet die Krawatte die Männerwelt seit Jahrhunderten ohne jeden offensichtlichen Nutzen. Sie wärmt nicht, ist nicht sonderlich praktisch, schützt vor nichts außer Zugluft – und ganz gewiss binden die Herren sie nicht des Komforts wegen. Als stilistische Besonderheit par excellence ist sie das einzige Accessoire der Herrengarderobe, das rein um seiner selbst willen getragen wird, geschätzt einzig für seine ästhetische Ausdruckskraft. Ein Stück Stoff, das gerade durch seine Zweckfreiheit unverzichtbar wird, verdient zweifellos diesen Leitfaden.
Tochter der Jabots und Enkelin der Halskrausen
Auch wenn man ihre Wurzeln bis ins antike Kaiserreich China oder zum römischen Focalium zurückverfolgen kann, scheinen die Ursprünge der modernen Krawatte im 17. Jahrhundert zu liegen. Damals trugen die kroatischen Husaren, die von Ludwig XIII. zur Unterstützung seiner Truppen im Dreißigjährigen Krieg rekrutiert worden waren, das, was damals noch ein einfacher Schal war, um den Hals.

Im Kampf zeichneten sich diese durch ihre Tapferkeit aus, was ihnen bei der Thronbesteigung Ludwigs XIV. höchste Anerkennung einbrachte. 1667 stellte dieser die verbliebenen Einheiten zu einem leichten Kavallerieregiment zusammen, dem er den Namen Royal-Cravates gab (eine Abwandlung des Wortes „Kroaten“). Als Ästhet ebenso wie als Stratege machte sich der Sonnenkönig das Stoffband seiner Reiter persönlich zu eigen. Einige Jahre später schuf er sogar das Amt des Krawattenmeisters, eines dem königlichen Garderobenmeister unterstellten Beamten. Seine Aufgabe? Die Krawatte des Monarchen auszuwählen und zu richten. Ein durchaus anspruchsvoller Beruf.

Geschmeidig, leicht und fein, löste diese am Hofe nach und nach das Spitzenjabot ab, das seinerseits zuvor die wuchtige und unbequeme Halskrause verdrängt hatte. Als Band aus Baumwolle und/oder Leinen, meist mit farbigen Bändern verziert, wurde sie um den Hals gebunden, sodass zwei Enden nach vorne herabfielen.

Im Laufe der Zeit veränderte sich die Art, dieses Stück Stoff zu binden, so sehr, dass ein gewisser Baron Émile de l’Empesé (Pseudonym des Schriftstellers Émile Marco de Saint-Hilaire) 1827 sein Werk „Die Kunst, seine Krawatte auf alle bekannten und gebräuchlichen Arten zu binden, gelehrt und vorgeführt in 16 Lektionen“ veröffentlichte.

Diese Anthologie versammelte damals 32 verschiedene Knoten, von denen heute nur noch eine Handvoll übrig ist. Die zunehmende Komplexität damaliger Knoten wich nach und nach dem „Four-in-Hand“ bzw. einfachen Knoten, der den direkten Vorläufer der heutigen Bindeweisen darstellt. Aus der Welt des Sports entlehnt und für seine Schlichtheit sowie unkomplizierte Handhabung geschätzt, gewann er seit Mitte des 19. Jahrhunderts stetig an Bedeutung, bis er zur absoluten zeitgenössischen Referenz wurde.

Die Fertigung der Hast Krawatten
Als historische Wiege der Seide und heutige Hauptstadt der Krawatte hat die Lombardei die Entwicklung dieses bedeutenden Accessoires stets begleitet, um ihre Techniken zu modernisieren und zugleich jahrhundertealte Handwerkskunst zu bewahren. Ohne ihr reiches handwerkliches Erbe aufzugeben, hat sich die Region um Como (Italien) als eine der versiertesten Hochburgen der Fertigung etabliert – weshalb wir uns entschieden haben, unsere Modelle dort fertigen zu lassen.
Wenig überraschend beherrschen diese Handwerker die beiden großen Fertigungsverfahren in Perfektion: Konfektionierung und Faltung.
Die klassische Konfektionierung ist das unkomplizierteste und am weitesten verbreitete Verfahren. Die meisten Krawatten von Hast werden nach dieser Methode gefertigt, bei der eine Einlage zwischen einem Oberstoff (der sichtbaren Vorderseite) und einem Futter (der Rückseite) eingefasst wird. Auch als „3-Fold-Krawatte“ bekannt, sind diese Modelle geschmeidig und schlicht – ideal, um Ihre elegantesten Outfits abzurunden.
Die Faltung hingegen ist eine traditionellere Technik, bei der eine Krawatte aus einem einzigen Stück Stoff gefertigt wird. Eine Einlage gibt es in diesem Fall nicht, da das mehrfache Falten des Stoffs ihr Struktur und Stand verleiht. Aufwendiger im Materialeinsatz, anspruchsvoller und meist von Hand ausgeführt, wird dieses Verfahren umso kostbarer und feiner, je mehr Falten es zählt: 5, 7 oder gar 9, wenn man bereit ist, mehrere hundert Euro für eine Krawatte auszugeben. Bei Hast haben wir uns für 5 Falten entschieden, um unsere Jubiläumskrawatte anlässlich unseres 10-jährigen Bestehens zu entwerfen – was uns vollkommen genügt, um sich ein Extra an Raffinesse zu gönnen, ohne Maßlosigkeit zu betreiben.
Krawatten mit perfektem Stand
Auch wenn die Krawatte auf den ersten Blick nur wie ein schlichter Streifen Stoff um den Hals wirkt, zeigt ihre Geschichte, wie sehr sich ihre Form im Laufe der Zeit verändert hat. Dass sie uns seit einem Jahrhundert so vertraut erscheint, verdanken wir zum Teil einem gewissen Jesse Langsdorf, einem New Yorker Hersteller, der 1923 ein Patent unter dem schlichten Titel „Necktie“ anmeldete – heute gilt dies als Geburtsstunde der modernen Krawatte mit ihrer charakteristischen Spitze.

Sowohl auf dem Markt als auch in unserer Garderobe dominiert dieses Modell ganz klar und bleibt zugleich die gängigste und universell anerkannteste Form (insbesondere im geschäftlichen Kontext). Trotz mancher modischer Extreme – sehr breit in den 70ern und sehr schmal in den 2000ern – pendelt sich die durchschnittliche Krawattenbreite meist zwischen 6 und 8 cm ein. Für diese Proportionen haben wir uns auch bei Hast entschieden, da wir sie als die harmonischsten und ausgewogensten erachten.
Dennoch gibt es eine Unbeugsame, die der Hegemonie ihrer Schwester standhaft trotzt: die Krawatte mit geradem Abschluss. Strukturierter und meist gestrickt, zeigt sie ein perliges Relief, das eher an rebellischen Geist als an strenges Protokoll erinnert. Historisch wurde sie mit der Arbeiterklasse assoziiert, die sie zu Hause strickte, um sich die Codes einer Welt anzueignen, in der der Wert eines Mannes am Wert seiner Krawatte gemessen wurde. Ihren unangepassten Charakter entfaltete sie schließlich an den Kragen der Ivy-League-Studenten und später der englischen Mods. Moderner und weniger formell als die „Langsdorf“, ist die Krawatte mit geradem Abschluss eine erstklassige Wahl für alle, die sich diesem Accessoire über einen weniger einschüchternden (aber keineswegs weniger eleganten) Weg als den der klassischen Krawattenkunst nähern möchten.
Farbenfrohe Krawatten (oder dezent)
Weitere Parameter, mit denen sich Stil und Charakter einer Krawatte – und eines Outfits – bestimmen lassen: Farben und Muster.
Während die dunkle, unifarbene Krawatte lange Zeit souverän die meisten formellen Dresscodes beherrschte, haben die zunehmend legereren Konventionen der letzten Jahrzehnte das Blatt gewendet. Einst streng reglementiert, befreit sie sich heute vom Korsett der Etikette, um neue Ausdrucksräume zu erobern.
Bei Hast lag es uns am Herzen, diesem Wunsch nach Freiheit nachzukommen – der beste Beweis dafür ist unsere reiche Farbpalette. Neben den klassischen dunklen Tönen finden Sie bei uns auch schöne Nuancen von Rot, Grün und Blau, die bereit sind, dort Frische zu zeigen, wo frühere Modelle Zurückhaltung übten.
Vor allem Muster erleben ein bemerkenswertes Comeback – Ausdruck des Wunsches, einem symbolträchtigen Accessoire seine Strenge zu nehmen. Von feinen Punkten über ausdrucksstarke Blumenmotive bis hin zu einem tonalen Glen-Check oder einer Hommage an Clubstreifen: Wir haben ihnen in unseren Kollektionen einen festen Platz eingeräumt – ganz für Sie.
Material und Handwerkskunst
Kein Geheimnis: Das Material einer Krawatte macht fast ihr gesamtes Wesen aus. Da es bestimmt, wie sie verarbeitet wird und wie sie das Licht einfängt, sollte man es je nach gewünschtem Ergebnis mit größter Sorgfalt auswählen.
Bei Hast sind es vor allem diese Varianten, die uns begeistert haben:
- Die unverzichtbare Seide: Als Naturmaterial eng mit Modeaccessoires verbunden, erkennt man Seide sofort an ihrem eleganten Glanz. Edel und distinguiert, ziert sie meist klassische Krawatten mit spitzem Abschluss, die perfekt zu einem Zwei- oder Dreiteiler passen. Als Grenadine oder Strickwaren verarbeitet, zeigt Seide eine markantere Textur, die zwischen formeller Eleganz und Casual Chic balanciert.
- Die Seide-Baumwolle-Mischung: Diese eher seltene Kombination verbindet die Geschmeidigkeit der Seide mit der Griffigkeit der Baumwolle – für ein überaus ansprechendes Ergebnis in Haptik wie Optik.
- Die Kombination aus Wolle und Seide: Eine ebenso natürliche Variante wie die vorherige, die die Rustikalität von Wollfasern mit der Feinheit von Seidenfasern verbindet, um einen Stoff von unvergleichlicher Fülle zu schaffen, der stolz auf seine lebendige Struktur ist.
- Wolle: Im Gegensatz zu Grenadine, die gewebt wird, sind unsere Krawatten aus 100 % Wolle gestrickt. Mit ihrer perligen Optik verfügen Krawatten aus Strickwaren über eine markantere Struktur, die ihnen ganz natürlich einen lässigen Charakter verleiht.
Der Kern des Krawattenknotens
Ach, die ersten Krawattenknoten! Irgendwo zwischen Übergangsritus und inoffiziellem Schritt ins Erwachsenenalter markieren sie unausweichlich das Ende einer Epoche und den Beginn einer neuen. Häufig mit den ersten Vorstellungsgesprächen, ersten Jobs oder feierlichen Anlässen verbunden, sind sie weit mehr als eine reine Geschicklichkeitsübung. Schließlich bindet man seine Krawatte nicht wie ein Paar Schuhe – weshalb die ersten Knotenversuche meist mit dem Vater, dem großen Bruder … oder allein vor einem Tutorial stattfinden.
Glücklicherweise sind die meisten übermäßig komplizierten Bindeweisen zugunsten der schlichtesten Variante gewichen: dem einfachen Knoten, auch „Four-in-Hand“ genannt.

Bei Hast binden wir unsere Kreationen genau auf diese Weise, da wir ihre Zeitlosigkeit, Vielseitigkeit und ihren Minimalismus besonders schätzen. Zählte Émile Marco de Saint-Hilaire in seinem Werk von 1827 noch 32 Varianten auf, so muss man heute anerkennen, dass sich nur wenige davon tragen ließen, ohne Blicke auf sich zu ziehen.

Eine Krawatte tragen im Jahr 2024
Vorbei sind die Zeiten, in denen die Krawatte Teil einer fast schon karikaturhaften Uniform war. Unserer Ansicht nach ist sie heute ein vollwertiges Accessoire, dessen Tragen weniger eine soziale Stellung als vielmehr ein klares Stil-Statement widerspiegelt. Adieu, steife „Anzug-und-Krawatte“-Attitüde – willkommen, Erfindungsreichtum und kreative Freiheit. Indem man mit Form, Material, Farbe und Mustern spielt, kann man ihr jede Facette entlocken – zur großen Freude unserer Garderoben.
Auch wenn ihre Verbindung mit dem Anzug als unantastbar gilt (und das zu Recht), lässt sie sich hervorragend in weniger formelle Outfits oder gar vollkommen entspannte Looks integrieren. Untrennbar mit dem Hemd verbunden, harmoniert sie ebenso gut mit einer Lederjacke wie mit einer Arbeitsjacke oder einem Blouson – was heute vielfältigere Möglichkeiten denn je eröffnet.
Wenn Sie uns einen kleinen Ratschlag erlauben, der seit Ludwig XIII. nie aktueller war: Gönnen Sie sich die Freude daran. Entstaubt, ungezwungen und befreit von ihrem einst strengen, unnahbaren Image, ist die Krawatte heute mehr denn je ein stilvolles Spiel, das man überall und ohne Einschränkung tragen darf.
Das Einstecktuch, eine feine Freude
Kommen wir nun zu einem Accessoire, das eng mit der Krawatte verwoben ist: dem Einstecktuch. In seinem natürlichen Terrain, der Brusttasche des Anzugsakkos, setzt es einen raffinierten Akzent, in dem sich Feingefühl und Funktionalität harmonisch verbinden. Auch als Taschentuch bekannt, teilt es das Schicksal der Krawatte insofern, als es meist aus demselben Material gefertigt wird, um perfekt aufeinander abgestimmt zu sein.
Obwohl es in verschiedenen Varianten (Farben, Mustern und Materialien) für jeden Anlass erhältlich ist, entfaltet das Einstecktuch seine Wirkung eigentlich nur in Kombination mit einer Anzugjacke, was seinen Einsatzbereich definiert. Im formellen Rahmen verleiht es jedoch eine seltene Eleganz – erst recht, wenn es auf eine Krawatte gleicher Machart abgestimmt ist.
Um höchste Qualität zu garantieren, werden die Einstecktücher von Hast von denselben Kunsthandwerkern von Hand gefertigt, die auch unsere Krawatten herstellen. In ihren Ateliers an den Ufern des Comer Sees entstehen diese beiden Sinnbilder feiner Handwerkskunst – beste Voraussetzungen für absolut harmonische Kombinationen.
Ein Wort zur Pflege
Aufgrund ihrer Zartheit, der feinen Verarbeitung und der verwendeten Materialien empfiehlt es sich, die Reinigung Ihrer Krawatten und Einstecktücher einer professionellen Reinigung anzuvertrauen. Eine gelegentliche Trockenreinigung tut ihnen gut und verlängert ihre Lebensdauer, während eine Maschinenwäsche fatal sein könnte.



