Rencontre avec Thomas Cantoni, illustrateur et graphiste talentueux

Zu Gast bei Thomas Cantoni, Illustrator und Grafikdesigner

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Thomas Cantoni ist in Marseille geboren und aufgewachsen, hat seine Karriere als Grafikdesigner jedoch in Paris gestartet. Fast fünfzehn Jahre lang prägte er dort für renommierte Werbeagenturen das Erscheinungsbild zahlreicher Marken. Und als es eines Tages an der Zeit war, eine Familie zu gründen, verspürte Thomas Cantoni den starken Wunsch, in den Süden zurückzukehren. Wegen der Sonne und wegen des Meeres. Marseille und seine Umgebung sind für diesen passionierten Surfer das persönliche Kalifornien. Vom Motorrad abgestiegen, das Haar vom Mistral zerzaust, erzählt der Marseiller an einem Café-Tisch am Alten Hafen ein wenig aus seinem Leben – direkt vor den Segelbooten, die bereit sind, zu den Calanques aufzubrechen.

Welchen Stil haben deine Eltern?

Meine Mutter ist Dänin aus Kopenhagen. Sie hat etwas von einem wandelnden Klischee: Sie ist zart, blond mit durchscheinend blauen Augen und sehr hellhäutig. Zu jeder Jahreszeit trägt sie Jeanshemden. Sie hat einen sehr amerikanischen Stil. Mein Vater hingegen ist Korse. Er hat einen kahlgeschorenen Kopf und eine sehr markante Nase. Er spricht auch laut. Sein ganzes Leben lang hat mein Vater Anzüge und Krawatte getragen. Für ihn zählt das Auftreten.

Was waren eigentlich deine ersten Inspirationen?

Lange Zeit hat mein Onkel Surffilme gedreht. Er hat mich schon als kleiner Junge an diese Kultur herangeführt. Ich schaute ihm dabei zu, wie er seine Projekte auf der großen Leinwand schnitt, und saugte all diese vorbeiziehenden Bilder förmlich auf. Das war eine ausgesprochen kalifornische Bildwelt mit Jungs in T-Shirts, Legenden wie Tom Curren oder Tom Carroll und dem König des Longboardens, Joel Tudor. Von seinen Reisen in die USA brachte mir mein Onkel jede Menge Logo-T-Shirts mit. Die trug ich dann zu einem Paar Vans, das ebenfalls von dort stammte.

Amerikanische Logos spielen in deiner Ästhetik eine wichtige Rolle…

Noch heute habe ich unzählige Logo-T-Shirts im Schrank. Ich liebe das mit dem goldenen Adler für die Automarke Pontiac ganz besonders. Das ist so stark, dass ich sicher bin, dass manche Leute eher das Logo als das Auto wollen. In Frankreich lernt man an den Kunstschulen Kunstgeschichte, während in den USA der Schwerpunkt auf Grafikdesign liegt, was ein völlig anderer Ansatz ist. In Frankreich haben wir vielleicht gute Basketballspieler, aber die Trikots der Mannschaften sind völlig uninteressant. Visuell funktioniert das einfach nie. In den USA reicht es schon, sich ein College-Basketballspiel anzusehen, um unglaubliche Designs zu entdecken. Die Logos auf den Trikots haben immer etwas Geniales, genau wie die Farben. Dasselbe gilt für die Ausrüstung von Rennfahrern oder die Uniformen der Feuerwehr. Alles hat mehr Klasse. Amerika ist eine permanente visuelle Offenbarung, mit einer ganz natürlichen Eleganz obendrein. In Frankreich finde ich, dass nur das Logo von Olympique de Marseille mit den beiden ineinander verschlungenen Buchstaben Charakter besitzt. Und das sage ich, obwohl ich nicht einmal ein großer Fußballfan bin.

Damals war ich in Paris und habe sie auf dem Weg zu einem Termin gekauft, weil ich dachte, dass ich damit etwas hermachen würde. Ich frage mich immer noch, was mich da geritten hat.

Wie ist generell dein Verhältnis zur Mode?

Ich bin kein Modefanatiker. Ich habe einen eher klassischen, sehr zeitlosen, schlichten Stil. Ich trage gerne weiße T-Shirts und Jeans. Das Basic der amerikanischen Silhouette. Für mich ist das eine Art Uniform. Ich mag Komfort und fühle mich gerne wohl in meinen Sachen. Deshalb fällt es mir schwer, mich mit gewissen Trends anzufreunden: Eng geschnittene Hosen und kurze Saumabschlüsse sind nichts für mich. Manchmal kaufe ich mir schon ausgefallenere Stücke, trage sie am Ende aber doch nie – wie diese Lederjacke, die mich ein Vermögen gekostet hat. Damals war ich in Paris und habe sie auf dem Weg zu einem Termin gekauft, weil ich dachte, dass ich damit etwas hermachen würde. Ich frage mich immer noch, was mich da geritten hat. Wenn ich sie heute vor dem Spiegel anziehe, komme ich mir verkleidet vor.

Hat die Stadt Marseille deiner Meinung nach einen ganz eigenen Look?

Wenn man einen Vergleich anstellen müsste, würde ich sagen, dass Paris sehr schick ist, eine Stadt mit Chic, während in Marseille alles volkstümlicher ist, in der Mentalität ebenso wie in der Art zu sprechen und sich zu kleiden. Für gewöhnlich schert man sich hier wenig um stilistische Feinheiten. Abgesehen von meinen Freunden, die Anwälte oder Notare sind, kenne ich niemanden, der im Alltag elegante Sakkos trägt. Der Anzug ist eine berufliche Notwendigkeit oder existiert gar nicht erst. Zudem ist Marseille auch ein Ort mit einer beachtlichen Ansammlung von dem, was ich Angeber nenne. Wichtigtuer, die glauben, elegant zu sein, in Wirklichkeit aber völlig geschmacklos angezogen sind.