Entretien avec l'écrivain Pierre Adrian, jeune auteur à succès

Interview mit dem Schriftsteller Pierre Adrian, jungem Erfolgsautor

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Auf der Nase trägt Pierre Adrien eine runde Brille, die ihm das Aussehen eines Menschen verleiht, der noch alles vor sich hat. Doch man täusche sich nicht: Mit noch nicht einmal 30 Jahren hat dieser Autor bereits fünf Bücher vorzuweisen. Eine Bibliografie, in der die Helden am Abgrund entlanggehen. Von den Straßen Roms bis zu den Nationalstraßen Frankreichs inszeniert Pierre Adrian präzise Abenteuer und das mit einigem Erfolg, denn ihm wurden bereits mehrere bedeutende Preise verliehen, darunter 2016 der Prix des Deux Magots für La Piste Pasolini. Für Hast erzählt der Autor, warum Kleidung in seinen Texten und im Leben eine Rolle spielt.

Welche Bedeutung messen Sie der Beschreibung in Ihren Büchern bei und, noch genauer, der Beschreibung der Silhouetten und der Ausstrahlung Ihrer Figuren?

Anlässlich der Veröffentlichung meines letzten Buches, Les Bons Garçons, sagte mir eine Freundin, sie habe beim Lesen das Gefühl gehabt, einen Film zu sehen. Ich fand, das sei eine schöne Hommage. Ich gehöre zu einer Generation der Bilder. Menschen meines Alters nähren sich sehr stark von visuellen Eindrücken. In meinen Romanen muss ich, um eine Figur sichtbar zu machen, bei ihrer Silhouette, ihrem Körper verweilen. Das führt also zu Momenten der Beschreibung von Kleidung. In Les Bons Garçons sind meine Hauptfiguren ragazzi aus den nördlichen Vierteln Roms, rund um die Piazza Bologna, die in den 1960er-Jahren aus dem lokalen faschistischen Bürgertum stammen. Profile, die mit einer besonderen politischen Kleidung verbunden sind. Die Pariolini, wie man sie nennt, haben ihre eigene Kleidung: eine Lederjacke und enge Jeans, ein Poloshirt oder einen Rollkragenpullover je nach Jahreszeit, Stiefeletten. Auf der Nase tragen sie Ray-Ban-Sonnenbrillen, Modell Aviator – das ist ihr Markenzeichen. Das sind Elemente, die banal erscheinen, die im Buch aber unbedingt inszeniert werden mussten, um der Realität möglichst nahe zu kommen. In Les Bons Garçons wie in den anderen Büchern, die ich geschrieben habe, ist Kleidung immer ein Marker. Sie zeigt die soziale Klasse, der man angehört, die Bewegung.

Welche Art von Vorarbeit haben Sie für Les Bons Garçons vor dem Schreiben geleistet, um Ihre Figuren visuell möglichst treffend darzustellen?

Ich habe sehr viel in der Nationalbibliothek in Rom recherchiert. Ich habe alte Zeitungen durchforstet, Unmengen an historischen Fotos gesammelt, insbesondere von politischen Demonstrationen, auf denen man die Silhouetten der Menschen sah, deren Leben ich erzählen wollte. Ich ließ mich auch von dem inspirieren, was ich in italienischen Filmen der 60er- und 70er-Jahre sehen konnte, von denen des Regisseurs Ettore Scola oder in Pasolinis letzten Arbeiten. Ich habe sogar italienische Podcasts zu all diesen Themen gehört, in denen es gerade um Kleidung geht. Die Dokumentationsarbeit ist äußerst wichtig.

Um den italienischen Teil dieses Gesprächs abzuschließen, sprechen wir kurz über das Buch, das Sie 2015 dem Regisseur Pier Paolo Pasolini gewidmet haben, La Piste Paolini. Der Mann war flamboyant, mit einem unverwechselbaren Stil…

Pasolini hat ein Gesicht, ein außergewöhnliches Charisma. Er ist ein waschechter Provinzler, der nach Rom ging, um Karriere zu machen. Anfang der 50er-Jahre trug er weite, formlose Hosen und zerlumpte Hemden. Das Interessante an Pasolini ist, dass ihn ständig eine Form von Todesangst und Liebe zum Leben, zur Jugend, bewegt. Er weigert sich zu altern, und das zeigt sich in seiner Kleidung. Mit 40 kleidet er sich, als wäre er zwanzig, mit Schlaghosen, engen Jeans, weiten Hemden, Perfectos und dieser unveränderlichen Sonnenbrille mit getönten Gläsern. Er will um jeden Preis weiterhin gefallen, zu dem gehören, was jung ist. Allgemeiner betrachtet finde ich auch, dass Italien das absolute Land des Anzugs ist. Wenn man sich alte Fotos von Pasolini oder von Marcelo Mastroianni, Alberto Sordi oder Vittorio Gassman ansieht, gibt es eine einzigartige Art, den Anzug zu tragen. Bei ihnen liegt die Jacke wie eine zweite Haut an. Ich bin immer fasziniert von Menschen, die sich in Ländern, in denen es im Sommer sehr heiß ist, elegant kleiden können. Ich denke oft an eine Erzählung des Autors Dino Buzzati, Der verzauberte Anzug: die Geschichte eines Mannes, der sich von einem kleinen Quartiersschneider einen Anzug anfertigen lässt und jedes Mal, wenn er seine Hand in die Tasche steckt, einen Geldschein herauszieht. Darin steckt ganz Italien.

Neben Italien ist das Fahrrad eine weitere Ihrer Leidenschaften. Sie fahren auf gutem Niveau und haben sogar darüber geschrieben, mit der Veröffentlichung des Buches Le Tour de France par deux enfants d’aujourd’hui im Jahr 2018. Wie können sich Radfahrer im Profipeloton stilistisch voneinander unterscheiden, obwohl sie alle dieselbe Uniform tragen, vom Helm bis zur Radhose?

Beim Radfahren, auf einem Fahrrad, geht Eleganz über das hinaus, was man trägt. Sie ist vor allem eine Frage der Haltung. Es gibt Fahrer, denen man beim Pedalieren schön zusehen kann. Alles hängt davon ab, wie man auf dem Fahrrad sitzt, wie man sich auf den Pedalen aufrichtet oder bergauf im Wiegetritt fährt. Ich finde zum Beispiel, dass der junge Niederländer Mathieu Van der Poel ein großartiger Radfahrer ist. Er hat etwas Katzenhaftes. Wenn er auf dem Fahrrad steht, sind seine Schultern vollkommen gerade, sein Oberkörper bewegt sich nicht. Das gilt auch für die großen Fahrer der Klassiker wie Paris-Roubaix und die Flandern-Rundfahrt. Diese Kerle bewegen beim Fahren nur die Hüften, das ist außergewöhnlich. Das ist eine grundlegende Eleganz. Umgekehrt ist Christopher Froome, obwohl er vierfacher Sieger der Tour de France ist, unter diesem Gesichtspunkt völlig uninteressant. Froome sitzt zusammengesunken auf seiner Maschine. Man muss auch über den Körperbau der Fahrer sprechen. Früher hatten sie nicht dieselben Übersetzungen, und ihre Körper waren kräftiger, um das Fahrrad voranzubringen. Heute, da sie sehr hohe Trittfrequenzen fahren, haben sie schlanke Körper, die Wadenmuskeln sind geschrumpft. Das ist ziemlich seltsam. Andererseits hat die Einführung der Helmpflicht 2003 das Gesicht des Radfahrers verschwinden lassen, und ich glaube, das wurde im Peloton schlecht aufgenommen. Das hat zu einer Art Vereinheitlichung der Stile beigetragen, während sich die Radfahrer bis dahin auf diese Weise abheben konnten: Ich denke etwa an die lange Mähne von Laurent Brochard oder das berühmte Bandana von Marco Pantani. Wenn man die heutige Mode wirklich charakterisieren müsste, würde ich sagen, es ist das Tragen einer Art Maske zum Schutz vor der Sonne, wie bei Skifahrern. Die Folge ist auch: Man sieht die Gesichter der Athleten wirklich überhaupt nicht mehr, ihre Mimik, ihre Grimassen, ihren Schmerz nicht mehr. Die Mode des Pelotons beeinflusst die Sonntagsfahrer. Wenn ich rund um die Pferderennbahn von Longchamps am Stadtrand von Paris Rad fahre, begegne ich vielen Typen mit der kompletten Ausrüstung, mit Maske und diesen sehr modernen, reduzierten Trikots sowie langen, fast aerodynamischen Radhosen. Ich selbst bleibe sehr klassisch, altmodisch, mit einer kurzen Radhose, à la Fausto Coppi.

Glauben Sie, den Look eines Schriftstellers zu haben? Und wären Sie überhaupt in der Lage zu definieren, was der Look eines Schriftstellers ist?

Ich habe einen sehr urbanen Stil, der zwischen Party und Fußball pendelt. Wenn ich zu Literaturveranstaltungen gehe, etwa zu Messen oder Preisverleihungen, fällt meine Art, mich anzuziehen, immer etwas auf. Einmal kam ich zur Eröffnungsempfang der Biografiemesse in Nîmes in Air-Max-Sneakern und einem weiten Pullover, obwohl es sehr geschniegelt zuging. Der Autor Gonzague Saint-Bris, mit seinem aristokratischen Auftreten, musterte mich mit einer unbeschreiblichen Grimasse des Ekels, als hätte ich dort nichts zu suchen. Das brachte mich zum Lachen, aber ich kann es verstehen: Es gibt Orte und Anlässe, bei denen ich mir doch etwas mehr Mühe geben sollte. Allerdings war Gonzague de Saint-Bris sofort freundlicher, als er erfuhr, dass ich den Prix des Deux Magots gewonnen hatte. Heute habe ich den Eindruck, dass die Literatur vom sehr gedämpften, sehr klassischen linken Pariser Seineufer ans rechte Ufer übergeht. Die Schriftsteller meiner Generation haben keinerlei Problem damit, sich wie jede andere Person ihres Alters zu zeigen, und das ist auch gut so. Man muss keine Rolle als Saint-Germain-des-Prés-Intellektueller spielen, um zu schreiben. Und man darf nicht vergessen, dass einige der anerkanntesten Schriftsteller nicht wirklich Stil haben: Houellebecq sieht zum Beispiel nach nicht viel aus.

Wie sind Sie gekleidet, wenn Sie sich hinsetzen und schreiben?

Zum Schreiben bin ich ein Morgenmensch. Direkt nach dem Aufwachen bin ich immer sehr effizient. Deshalb schreibe ich oft im Pyjama oder im Trainingsanzug von Sergio Tacchini. Und mit Birkenstock an den Füßen. Komfort hat Vorrang. Erst ganz am Ende des Vormittags ziehe ich mich richtig an, nachdem ich beim Radfahren den Kopf etwas freibekommen habe. Vor all dem schreibe ich. Ciao ragazzi!