Seit rund zehn Jahren beobachten wir eine beispiellose Begeisterung für das Tragen von Bärten. Die Zahlen sprechen für sich: 92% der Männer zwischen 25 und 35 tragen inzwischen stolz einen Bart, privat wie bei der Arbeit, und stellen damit die seit Beginn der 90er-Jahre etablierten Codes auf den Kopf.
Der Schnurrbart hingegen scheint marginal zu bleiben und einigen Wagemutigen vorbehalten zu sein – oder Unbedarften, je nach Größe und Form. Dabei hat es nicht an Versuchen gefehlt, ihn durch erfolgreiche Filme oder Songs wieder in Mode zu bringen – man denke an Jean Dujardin in The Artist oder an Cuir Moustache von Pan Pan Master. Seit 2003 rückt jedoch eine Bewegung, die die Gesundheit von Männern verbessern will, diesen Haarwuchs auf der Oberlippe wieder ins Rampenlicht: Movember, ein Wortspiel aus „moustache“ und „november“. Strategisch im November gefeiert, also direkt nach dem Pink October, der das Bewusstsein für die Brustkrebsvorsorge bei Frauen schärfen soll.
Doch zurück zu unserer baumwolle. Wenn Körperhaar von Natur aus und fast automatisch als Symbol der Männlichkeit gilt – Frauen sind in diesem Bereich meist unbehaart –, hat sich das hemd ganz allein zum zeitlosen Emblem erhoben und wurde trotz der starken Konkurrenz durch das T-Shirt und den rollkragenpullover nie vom Thron gestoßen. Dieser Erfolg lässt sich ganz einfach erklären: Mit Krawatte ist das hemd von seltener Eleganz, leicht aufgeknöpft wirkt es lässig, ein wenig verwegen, oder sogar völlig ungezügelt, wenn man sich traut, mehr als 3 Knöpfe zu öffnen. Und doch sprechen wir vom selben Kleidungsstück – Sie werden also der beeindruckenden Vielseitigkeit dieses Stücks zustimmen! QED.
Zur Unterstützung der Bewegung werfen wir einen Blick auf die Männer, die unserer Meinung nach die Kombination aus hemd und Schnurrbart am besten getragen haben.
Marlon Brando
Marlon Brando steht vor allem für ein markantes Gesicht: mit seinem kantigen Kiefer, den vollen Lippen und dem gelangweilten Schmollmund. In seiner Rolle als Vito Corleone, Pate der italienischen Mafia, trägt er das formelle weiße hemd und den feinen Schnurrbart mit Bravour und verkörpert dieses Bild eines Patriarchen perfekt.
Nicht jeder kann Marlon Brando sein. Wir empfehlen Ihnen, intensiv an Ihrer Haltung, Ihrem Gang und Ihrer Art zu sprechen zu arbeiten. Stilistisch greifen Sie zu einem weißen hemd aus Popeline mit Semi-cutaway-Kragen: Die klassische und äußerst elegante Seite der Popeline harmoniert perfekt mit diesem breiten, offenen italienischen Kragen, der Ihre Krawatte oder Fliege zur Geltung bringt.
Salvator Dali
Laut einer Umfrage der Movember Foundation zum berühmtesten Schnurrbart geht Dalís Schnurrbart dem Mann und seinem Werk beinahe voraus. Als perfekte Darstellung des kreativen Wahnsinns und des grenzenlosen Humors des Künstlers ist der fein gezwirbelte, auf zehn nach zehn positionierte Schnurrbart zum Symbol der surrealistischen Bewegung geworden.
Bei einem solchen haarigen Accessoire muss man beim hemd nicht übertreiben. Ein klassisches weißes hemd oder ein dezentes Faux-Uni bringt die Exzentrik des Gesichts gekonnt zur Geltung. Beim Kragen entscheiden wir uns für einen klassischen kragen, fein und schmal, oder wagen einen Clubkragen, der den geschwungenen Linien des Schnurrbarts folgt.
Sean Connery
Connery. Sean Connery. Mit seiner tiefen Stimme und den dichten Augenbrauen trägt der legendäre Darsteller des Agenten 007 den Schnurrbart mit unvergleichlicher Klasse, zu einem klassischen hemd aus Oxford, of course. Die Verkörperung des Gentlemans und der Beweis, dass ein Schnurrbart ebenso elegant wie sexy sein kann.
Gekleidet in ein perfekt geschnittenes weißes hemd mit klassischem kragen, eine dunkle Fliege, einen klassischen Schnurrbart und ein Glas schottischen Whisky in der Hand, machen Sie es wie James Bond. Vergessen Sie nicht die Kragenstäbchen aus Perlmutt, um in jeder Situation den Gipfel des Chic zu erreichen und tadellos auszusehen.
John Waters
Es ist unmöglich, über Schnurrbärte zu sprechen, ohne John Waters zu erwähnen, einen der subversivsten Regisseure des 21. Jahrhunderts. Der feine schwarze Strich direkt über seiner Oberlippe ist zum unverwechselbaren Markenzeichen dieses Provokateurs geworden, dessen Stil ebenso elegant wie verstörend ist.
Oft imitiert, nie erreicht. Oft mit einem weißen hemd oder einem hemd mit breiten streifen gesehen, liegt das Geheimnis vor allem in einer einfarbigen oder gemusterten, farbigen krawatte. Bevorzugt wird ein schmaler Kragen wie der sehr vornehme englische Kragen, der die krawatte zur Geltung bringt.
Bereit für die Kombination aus hemd und Schnurrbart im Büro? Passen Sie auf sich auf, meine Herren.



