Auf demselben Bürgersteig wie die Pariser Boutique unserer Marke, in der Rue d’Aboukir, versteckt in einer Art Nische, als wolle sie gar nicht groß auffallen, befindet sich eine Adresse, die all jene schätzen, denen es auf Details ankommt: die Schneiderei Zécaf. Drinnen herrscht ein heiteres Durcheinander aus Garnrollen in allen Farben, spitzen und schneidenden Werkzeugen, Nähmaschinen, die bei der Arbeit vernehmlich surren, und natürlich all jenen Hemden, die der Herr des Hauses unermüdlich repariert und pflegt.

Dieser kleine Mann mit spitzbübischem Blick heißt Coban Cafer und stammt aus dem fernen Kurdistan. Dort wuchs er in einer Schneiderfamilie auf und wurde ganz selbstverständlich selbst Schneider, als er seinen Lebensunterhalt verdienen musste. Damals war Herr Cafer sogar ein Meister der Maßanzüge. 1988, als seine Heimatregion von erneuten politischen Unruhen erschüttert wurde, zog der Handwerker nach Paris. Für ihn war es wie ein Traum. „Paris war für mich schon immer die Hauptstadt der Mode. Ich stellte mir sehr elegante Frauen im BCBG-Stil vor, mit langen Handschuhen und großen Hüten“, schmunzelt er heute. In der Großstadt gelang es Herrn Cafer nicht, sich als Schneider selbstständig zu machen. Doch einfallsreich wie er war, fand er schließlich eine Anstellung als Änderungsschneider bei einem renommierten Modeschöpfer: Thierry Mugler.
„Machen Sie den Knoten unter dem Knopf und nicht auf der Innenseite des Hemdes. Das sieht einfach schöner aus!“
Nach mehreren Jahren in diesem Beruf eröffnete Coban Cafer 2004 seine eigene Änderungsschneiderei in der Rue d’Aboukir. Mit sichtbarem Erfolg: Heute kommen täglich Dutzende Kunden an seinen Tresen, um seinen Rat und seine Hilfe zu suchen. „Wenn Sie Ihr Kleidungsstück zurückbekommen, werden Sie vergessen haben, dass es je geändert wurde“, prahlt Coban Cafer mit einem herzlichen, ansteckenden Lachen. „Es wird sogar besser sein als zuvor!“ Bei Hast empfehlen wir unseren Kunden regelmäßig den Schneider aus der Rue d’Aboukir, sollten sie an einem unserer Modelle einmal eine Anpassung wünschen. Für unser Magazin erklärt Coban Cafer aus der bekannten Schneiderei Zécaf im Detail, welche Änderungen an einem Hemd möglich sind.

Kürzen
Manchmal möchte man die Ärmel kürzen lassen, damit sie perfekt zur Armlänge passen. In diesem Fall entscheidet sich der Schneider meist dafür, das Teil an der Manschette statt an der Schulter anzupassen. „Das ist für den Kunden günstiger. Außerdem kann es bei einer Änderung von oben passieren, dass der Ärmel am Arm zu eng wird“, erklärt Coban Cafer. Konkret trennt man dazu die Naht des Ärmelschlitzbesatzes – jenes Stoffstreifens, der am Ärmel entlangläuft – sowie die des Saums auf. Nach diesem ersten Schritt wird der überschüssige Stoff mit einer großen Schere abgeschnitten und der Ärmel in der Länge so nachgearbeitet, dass die Leiste wieder passgenau eingesetzt werden kann. „Wenn man den Ärmel einfach nur abschneidet und den Rest am Besatz umschlägt, stimmt die Länge am Ende nicht“, fügt Coban Cafer hinzu.
Taillieren
Es gibt zwei sehr präzise Methoden, damit ein Hemd etwas körperbetonter sitzt. Geht es nur um Kleinigkeiten, setzt der Schneider zwei parallele Abnäher am Rücken – gleichmäßige und unsichtbare Stofffalten. Geht es hingegen um eine größere Anpassung, entfernt er lange Stoffbahnen an den Seiten des Hemdes. „Wir schneiden zu und nähen neu!“

Taschen
Einige der anspruchsvollen Kunden von Herrn Cafer wünschen sich zusätzliche oder überhaupt erst Taschen an ihren Hemden. Der Schneider entnimmt dann Stoff aus dem Hemd, um dieses Detail einzuarbeiten. „Damit man nichts sieht, nehme ich den Stoff aus dem Rücken des Hemdes“, erklärt Coban Cafer.
Risse
Missgeschicke passieren. Wie ein rettender Engel kann der Schneider Fäden aus der Naht des Hemdes gewinnen und das Loch durch Kunststopfen schließen. Eine kostspielige und recht seltene Arbeit, so Coban Cafer. Er zieht es vor, mit einem separaten Faden eine Art Zickzack-Muster zu nähen, das er mit einem auf der Rückseite des Hemdes aufgenähten Patch verstärkt. „Wenn der Riss durch Reibung an den Ellbogen entstanden ist, lassen sich manche Kunden gerne Ellbogen-Patches aufnähen. Früher galt das als altmodisch, heute habe ich den Eindruck, dass es wieder im Trend liegt“, so Coban Cafer weiter.
Mehr Weite
Personen mit kräftigerem Hals wünschen sich manchmal etwas mehr Luft in ihrem Hemd. Es ist durchaus möglich, die Kragenknöpfe für mehr Tragekomfort zu versetzen. Aber Vorsicht: Das geht nur um wenige Millimeter. Ein zu starkes Versetzen könnte die Ausrichtung des Hemdes beeinträchtigen. „Und man darf am Kragen keinen Stoff ansetzen, das macht ein Hemd unansehnlich!“, warnt Coban Cafer.
Letztlich gibt es nur eine einzige Änderungsarbeit, die man ohne die Hilfe eines Schneiders durchführen kann. Wenn man einen Faden in eine Nadel einfädeln und damit umgehen kann, ist das Annähen eines Knopfes nicht sonderlich kompliziert. Ideal ist dickeres Garn für einen besseren Halt. Ein Tipp von Coban Cafer: „Machen Sie den Knoten unter dem Knopf und nicht auf der Innenseite des Hemdes. Das sieht einfach schöner aus!“