Ob in der Mode oder anderswo: Manche Themen werden selten angesprochen, oft aus Mangel an Erklärung oder weil sie als wenig verkaufsfördernd gelten.
Wir sind im Gegenteil überzeugt, dass man genau verstehen sollte, was man kauft. Daher möchten wir Ihnen unsere Arbeitsweise und unsere Produkte transparent erklären. Ein gutes Verständnis der Hintergründe ermöglicht einen fundierten Blick auf das Ganze (so ist etwa eine besonders hohe Garnfeinheit ein Zeichen für Qualität, aber auch für eine gewisse Feinheit des Stoffs).
Die Einsprungquote
Keine Sorge, das Ganze ist weniger technisch, als es klingt. Wir erklären Ihnen einfach, warum sich ein neues Hemd nach dem ersten Waschen manchmal etwas enger anfühlt.
Denn dieses Gefühl täuscht nicht. Natürlich hängt es auch davon ab, wie Sie Ihre Hemden tragen: Wenn Sie sie ohnehin lockerer wählen, werden Sie den Unterschied womöglich kaum bemerken.

Worum handelt es sich dabei?
Ganz einfach das Maß für das Einlaufen des Gewebes. Dieser Prozentsatz kann je nach Rohstoff (insbesondere zwischen Natur- und Kunstfasern) und Webart (der Bindung) variieren. Aus Gründen des Tragekomforts und der Langlebigkeit verwenden wir ausschließlich Naturfasern wie Baumwolle, Leinen oder Ramie.
Naturfasern reagieren besonders empfindlich auf dieses Phänomen, das auf Wechselwirkungen zwischen Molekülen beruht – die sogenannten Wasserstoffbrückenbindungen, die beim Weben entstehen.
Beim Waschen löst warmes Wasser einen Teil dieser Bindungen, wodurch sich das Gewebe zunächst entspannt. Wenn das Wasser beim Trocknen verdunstet, verändert sich das Fasernetz und wird dichter und fester.
Für jeden unserer Stoffe vereinbaren wir mit unseren Webereien eine maximale Einsprungquote (unter 2 %), um sicherzustellen, dass Ihr Hemd auch auf Dauer seine ursprüngliche Passform behält. Bitte beachten Sie, dass dieser Einsprung bereits bei den ersten Wäschen erfolgt; danach stabilisiert sich das Gewebe und verändert sich nicht mehr.
Vor dem Waschen
Wasserstoffbrückenbindungen entstehen beim Weben und bilden ein geordnetes, stabiles Netz.

Beim Waschen
Durch die Einwirkung von Wasser und Wärme lockert sich die Bindung zwischen den Molekülen. Die Moleküle lösen sich voneinander.

Beim Trocknen
Es bilden sich neue Bindungen, die das ursprüngliche Netz verändern und es dichter und fester machen.

Warum laufen manche Kleidungsstücke stärker ein als üblich?
Da Material und Webart diese Einsprungquote beeinflussen, unterscheidet sich die Pflege eines schweren Wollpullovers deutlich von der eines Hemds aus zweifach gezwirntem Popeline. Wie Sie Ihre Hemden waschen, spielt daher eine entscheidende Rolle für deren Langlebigkeit – sowohl beim Einlaufen als auch beim Auswaschen von Farben (wie etwa bei bestimmten Denim-Hemden).
Um die Passform Ihrer Hemden dauerhaft zu bewahren, empfehlen wir, die Waschtemperatur von 40 °C nicht zu überschreiten (vorsichtshalber raten wir sogar zu 30 °C, da manche Maschinen heißer waschen) und sie auf einem Bügel an der Luft trocknen zu lassen (verzichten Sie ein für alle Mal auf den Wäschetrockner).
Schritt 1
Waschen Sie Ihr Hemd bei maximal 30°. Beladen Sie die Waschmaschine nicht zu voll.

Schritt 2
Wählen Sie am besten einen Schonwaschgang. Stellen Sie das Schleudern auf 400/600 Umdrehungen ein.

Schritt 3
Hängen Sie Ihr Hemd auf einen Kleiderbügel. So trocknet es und glättet sich dabei fast von selbst.

Sollte ich mein Hemd dann eine Nummer größer wählen?
Nein, wählen Sie ein Hemd in Ihrer regulären Größe. Achten Sie bei der Anprobe darauf, dass die Passform zu Ihrem Körperbau passt (Slim Fit oder Extra Slim Fit).
Zur Erinnerung – hier sind einige Punkte, auf die Sie achten sollten:
Kragenweite
Sie sollten den Kragen bequem schließen können, ohne dass er einengt. Wenn Ihnen der Schnitt des Hemds perfekt passt, der Kragen jedoch etwas zu eng ist, lässt sich der Knopf bei Bedarf auch leicht versetzen.

Schulter
Bei locker herabhängenden Armen sollte der Ärmel an der Schulterkante ansetzen und genau am Handgelenksknochen enden. Wenn Sie eine Jacke darüber tragen, sollte der Ärmel minimal darunter hervorschauen.

Brust
Im Brust- und Taillenbereich sollte an den Knöpfen keine Spannung sichtbar sein. Setzen Sie sich bei der Anprobe ruhig hin, um zu prüfen, wie bequem das Kleidungsstück am Bauch sitzt (denken Sie an lange Meetings)!
Mit dem Trend zu körperbetonteren Schnitten wünschen sich viele ein sehr figurbetontes Hemd. Wir raten jedoch dazu, den leichten Einsprung des Hemds beim Waschen einzukalkulieren, um böse Überraschungen zu vermeiden – insbesondere bei feinen Stoffen mit hoher Garnfeinheit, die durch zu viel Zugspannung schneller verschleißen können.
