Entretien avec Charlotte Cadé, fondatrice de Selency

Interview mit Charlotte Cadé, Gründerin von Selency

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Denken Sie an all die Websites, die in den letzten Jahren im Netz entstanden sind und sorgfältig aus aller Welt kuratierte Secondhand-Kleidung anbieten. Stellen Sie sich nun dasselbe für Möbel vor. In diesem Bereich gibt es in Frankreich einen unangefochtenen Marktführer, der für die Qualität seines Angebots bekannt ist: Selency. Hinter dieser schönen Erfolgsgeschichte, die 2014 begann, stehen Charlotte Cadé und Maxime Brousse – zwei Pariser Anfang dreißig aus Bordeaux, die für Vintage-Objekte dieselbe feinsinnige Leidenschaft hegen wie ein erfahrener Denim-Sammler auf dem Flohmarkt. Charlotte hat darüber sogar ein Buch geschrieben: "Y'a pas d’âge pour le vintage". Grund genug, sich mit ihr zu unterhalten.

Was sind Ihrer Meinung nach die idealen Möbelstücke, um Kleidung richtig aufzubewahren?

Was immer funktioniert, sind Schränke in kleineren Formaten – im Gegensatz zu den wuchtigen normannischen Schränken, die nicht in jeden Raum passen. Man nennt sie die Pariser Schränke. Sie haben einen Bereich mit Kleiderstange und einen mit Regalböden. Ich denke natürlich auch an die guten alten Kommoden mit drei Schubladen. Sie sind unverzichtbar für alles, was nicht hängen muss – und das ist meistens eine ganze Menge. Bei Selency verkaufen wir Vintage-Stücke, deren Formate sich an Standardmaßen orientieren. Da erlebt man selten böse Überraschungen. Wer nach etwas, sagen wir, Verrücktem sucht, sollte sich eher im zeitgenössischen Design umsehen.

Gibt es für Sie eine Parallele zwischen dem Kauf von Secondhand-Möbeln und Vintage-Kleidung?

Es ist absolut derselbe Ansatz. Ob Kleidung oder Möbel: Vintage sucht man zunächst aus Stilgründen. Es ist aber auch eine Frage der Qualität und Langlebigkeit. Frühere Fertigungen waren traditioneller, basierten auf echter Handwerkskunst, mit strapazierfähigeren Materialien und Stoffen sowie sorgfältigerer Verarbeitung. Es gab weniger Unwägbarkeiten durch Maschinen und all das, was das Industriezeitalter später mit sich brachte. Und natürlich spielt bei alldem auch eine ethische Dimension eine Rolle. Heute kaufen die Menschen bewusster und engagierter ein, und Secondhand passt perfekt in diesen Zeitgeist. Genau wie bei Kleidung betreiben Händler alter Möbel eine aufwendige Recherche beim Sourcing. Sie fahren in Lager großer Trödler. Sie übernehmen auch Stücke aus Privathaushalten, etwa bei einem Nachlass, wenn Dinge abgegeben werden, die nun der Vergangenheit angehören. Hinzu kommt alles, was mit klassischen Märkten und Flohmärkten zu tun hat, wie man sie überall findet. Um die Vintage-Authentizität der auf Selency verkauften Objekte zu gewährleisten, arbeiten wir mit Experten zusammen, die jedes Detail vor allem anhand von Bilddokumenten prüfen. Das hat zwar rein rechtlich keinen bindenden Wert, ermöglicht uns aber zumindest, zweifelhafte Stücke von der Plattform fernzuhalten. Heute bestehen rund 50 % der uns angebotenen Designermöbel diese Begutachtung nicht.

Wenn man sich nur an den Look und Kleidungsstil hält: Gibt es verschiedene Typen von Möbelhändlern?

Natürlich gibt es, wie bei jedem Klischee, Antiquitätenhändler, die wie Schlossherren wirken. Doch man sollte sich nicht auf dieses Bild beschränken. Seit einigen Jahren hat sich eine neue Generation in diesem Bereich etabliert, die die zeitgenössischen Dresscodes lebt. Es sind Menschen, denen man täglich begegnet, mit einem ausgesprochen modernen Auftreten, denen man nicht unbedingt ansieht, dass sie alte Möbel verkaufen, die mitunter sehr teuer sind. Es gibt auch Händler, die modisch nicht auffallen und denen das auch egal ist, die aber auf ganz besondere Objekte in sehr spitzen Nischen spezialisiert sind. Es mag banal klingen, aber in unserer Branche gilt wirklich: Kleider machen nicht immer Leute.

Ganz persönlich gefragt: Hat man eigentlich noch Zeit, sich für Kleidung zu interessieren, wenn man sich beruflich so intensiv mit Möbeln beschäftigt?

Meine Vorliebe für Möbel und Dekoration entspringt einem allgemeinen Interesse an Ästhetik, bei dem auch Kleidung eine wichtige Rolle spielt. Ich war schon immer gepflegt gekleidet, ohne übertrieben raffiniert zu sein: Ich bin da nicht so extravagant wie Leute, die in der Mode arbeiten. Für mich muss das Schöne vor allem dem Nutzen dienen. Ich bin nicht der Typ, der in Absätzen den Haushalt macht. Ich glaube, diese Haltung habe ich von meiner Mutter. Sie hatte schon immer ein Gespür für schöne Dinge und hat stets auf ihr Zuhause wie auf ihr Auftreten geachtet. Diese Aufmerksamkeit hat sie an mich weitergegeben. Maxime, mein Partner, ist da pragmatischer. Er verbringt weniger Zeit als ich mit Suchen, Recherchieren und Vergleichen. Wenn er etwas kauft, dann aus einem funktionalen Bedürfnis heraus, und er achtet lediglich darauf, dass es halbwegs zu seinem Stil passt.

Das Wachstum von Selency hat Sie und Maxime auch in repräsentative Rollen gebracht. Sie leiten ein Unternehmen und nehmen gelegentlich an formellen Terminen teil. Wie stimmen Sie Ihr Outfit darauf ab?

Wir bleiben uns selbst treu. Wir verkleiden uns nicht für bestimmte Anlässe, sondern behalten einen roten Faden bei, der zu unserem Alltag passt. Wir achten vielleicht einfach ein wenig mehr darauf. Wir tragen dann zum Beispiel keine Sneaker und keine Jeans. Aber wir bleiben wir selbst. Das war übrigens schon immer so. Wir haben uns seit dem ersten Termin, bei dem wir Hände schütteln und Kapital beschaffen mussten, kaum verändert.